Wohin mit der Trauer? – Kirchliche Trauerarbeit in Zeiten von Corona

So wie der Tod zum Leben, so gehört auch die Trauerarbeit zu den fundamentalen  Aufgaben evangelischer Erwachsenenbildung. – Doch was passiert mit dieser wichtigen Säule unserer Arbeit in Zeiten von Corona? – Ist würdiges Abschied nehmen dieser Tage überhaupt noch möglich, und wie geht es den Hinterbliebenen der Toten angesichts von Kontaktbeschränkungen und Hygienevorschriften? – Über seine Erfahrungen mit Trauer im pandemischen Alltag sowie die Möglichkeiten kirchlicher Angebote, hier ein Bericht von Dr. Bernd Rother, Gemeindepfarrer und Referent für religiöse Bildung im EBW Rosenheim-Ebersberg.

Wer einen Menschen verloren hat, der lieb und wertvoll war, merkt das meist mitten im Alltag. Kein Anruf, kein Besuch, kein Rat mehr, den man bei nunmehr Verstorbenen einholen könnte. Das tut weh und macht schmerzhaft bewusst, dass die gemeinsame Wegstrecke zu Ende gegangen ist. Gerade bei diesen kleinen alltäglichen Anlässen nagt die Frage: wohin mit meiner Trauer?

Als Pfarrer stehe ich öfter am Grab. Trauergesellschaften sind jetzt deutlich kleiner. Das ist den Corona-Auflagen geschuldet – und ich halte das auch für sehr sinnvoll. Gerade in dem Moment, wenn Sarg oder Urne beigesetzt werden, ist der Abschied quasi mit Händen zu greifen. Dieser Augenblick schmerzt so sehr, dass viele sich nach Nähe sehnen. Distanz hygienegerecht zu wahren, ist kaum auszuhalten. Da macht eine geringe Zahl an Kontakten bei der Bestattung Sinn.

Zugleich fehlen deshalb oft genug am Grab gerade diejenigen, die einen auf dem letzten gemeinsamen Wegstück unterstützt haben. Mit der Beisetzung fehlt dann ein ganz wesentliches gemeinsames Erlebnis, das unter normalen Umständen verbinden und helfen kann, gemeinsam in die Trauer hineinzufinden. In Zeiten wie diesen die zweite Verlusterfahrung, wenn man etwa seinen Verstorbenen in Pflegeheim oder Krankenhaus kaum besuchen konnte.

Trauer kann heutzutage ganz unterschiedlich aussehen. Schon immer gab es die, die das nur für eine Familienangelegenheit halten. Immer mehr Menschen suchen sich allerdings Unterstützung im Freundeskreis oder gar in professionellen Angeboten der Trauerbegleitung, einzeln oder in einer Gruppe, die die Abschiedserfahrung eint. – Hier ist auch unter Pandemiebedingungen so einiges möglich (siehe dazu auch unsere Rubrik “Spotlight”):

Die Zahl der Zoom-Erfahrenen nimmt stetig zu und auch im Rahmen theologischer oder philosophischer Online-Kurse kommt es zu existentiellen Gesprächen. Wer gespürt hat, dass ein Beerdigungsgespräch per Telefon ebenso Kraft und Halt geben kann, kann sich leichter auf Online-Trauerarbeit einlassen. Außerdem können, wenn es Inzidenz und Witterung zulassen, Spaziergänge und Treffen unter freiem Himmel eine gute Möglichkeit sein. – Evangelische Erwachsenenbildung hat die Chance, kreativ der österlichen Hoffnung Ausdruck zu verleihen: dass das Leben über den Tod siegt!


Foto: EnriqueMeseguez auf pixabay

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