Verbraucherbildung – effektive Lebenshilfe und Orientierung im Konsumdschungel

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Wie und wo kann ich Geld für die Altersvorsorge ansparen? Welcher Handy-Vertrag ist am günstigsten, wie steht es um meine Rechte als Mieter oder was passiert mit meinen Daten im Netz? – Mit wachsender Komplexität unseres Alltags fühlen sich immer mehr Menschen gerade in wirtschaftlich-rechtlichen Belangen überfordert und deshalb gewinnt das Thema Verbraucherbildung auch bei den Einrichtungen der Evangelischen Erwachsenenbildung zunehmend an Bedeutung. Wie man als zertifizierter Verbraucherstützpunkt effektive Lebenshilfe leisten und für Orientierung im Konsumdschungel sorgen kann – dazu hier ein Interview mit Maike Schaub-Vaupel, Geschäftsführerin und pädagogische Leitung im EBW Schweinfurt.

AEEB: Liebe Frau Schaub-Vaupel, das EBW Schweinfurt gehört in Kooperation mit der örtlichen Diakonie seit Juni 2019 zu den insgesamt 22 zertifizierten Verbraucherstützpunkten in Bayern. Wie entstand die Idee zu diesem Projekt?
Maike Schaub-Vaupel: Wir arbeiten seit vielen Jahren eng mit der Diakonie Schweinfurt zusammen. Durch ihre intensiv begleitende und beratende Arbeit in den sozialen Dienste hat die Diakonie optimalen Zugang zu Menschen in ganz unterschiedlichen schwierigen Lebenslagen und sieht dabei tagtäglich die Notwendigkeit Menschen über geeignete Bildungsangebote nachhaltig zu stärken und zu unterstützen. Das EBW Schweinfurt wiederum hatte auch schon länger den Wunsch unsere Bildungsarbeit mit guten, niederschwelligen Angeboten genau für dieses Klientel zu öffnen. Also haben wir uns mit der Diakonie zusammengeschlossen, gemeinsam ein Programm entworfen und uns bei der Initiative “Verbraucherbildung Bayern” zum Stützpunkt für Verbraucherbildung zertifizieren lassen.


AEEB: Was steckt hinter der Initiative “Verbraucherbildung Bayern?

Schaub-Vaupel: Die InitiativeVerbraucherbildung Bayern” ist eine vom Bayerischen Verbraucherschutzministerium ins Leben gerufenes Netzwerk, zu dem verschiedenste Akteure aus den Bereichen Verbraucher- und Erwachsenenbildung gehören. Einrichtungen bzw. Verbraucherstützpunkte, die das Qualitätssiegel “Verbraucherbildung Bayern” tragen, erhalten zum einen Unterstützung bei der Bewerbung ihrer Angebote und können finanzielle Förderung von Kursen und Projekten beantragen, zum anderen erhalten sie Zugang zu kostenlosen Fortbildungsangeboten und Netzwerktreffen und dürfen zudem das Qualitätssiegel “Verbraucherbildung Bayern” des Verbraucherschutzministeriums für ihr Kursangebot nutzen.


AEEB: Wie sieht das Bildungsangebot beim Verbraucherstützpunkt Schweinfurt aus?

Schaub-Vaupel: In der ersten Profil-Phase des Projektes haben wir uns vor allem auf die Flüchtlingsgruppe und Senioren fokussiert. Deshalb standen Angebotsthemen wie Versicherungen und Handyverträge im Vordergrund. Um auch andere, neue Zielgruppen zu erreichen, haben wir 2021 unsere Angebote erweitert. So hatten wir Anfang des Jahres zum Beispiel die Anfrage einer Schule, ob wir den Schülern einen Vortrag zum Thema “Börse und Aktien” anbieten können. Das haben wir natürlich gerne realisiert. Insgesamt ist das Programm der Verbraucherbildung sehr vielfältig: Hier geht es sowohl um Themen wie Finanzen, Verträge, Verbraucherschutz, Miet- und Arbeitsrecht, als auch um Digitalisierung, Energie sparen und E-Mobilität. Gerade bei Themen wie Geldanlagen oder Datenschutz im Netz fühlen sich die Bürger*innen oftmals unsicher oder schlecht beraten. Unsere Fortbildungsangebote sollen Menschen befähigen, auf der Grundlage der erhaltenen Informationen, eigenständig für sich richtige Entscheidungen zu treffen. Darüber hinaus bietet der Schweinfurter Stützpunkt für Verbraucherbildung auch ein mobiles Vortragsformat an. Freizeitgruppen, Seniorenkreise oder Bürgertreffs können die Veranstaltungen der Verbraucherbildung für ihre Teilnehmer anfragen.


AEEB: Inzwischen ist Ihr EBW seit beinahe zwei Jahren Verbraucherstützpunkt – wie läuft das Projekt generell?

Schaub-Vaupel: Nach der anfänglichen Profil-Arbeit befinden wir uns nun in der zweiten Phase des Projektes. Insgesamt haben wir seit Beginn des Projektes rund 30 Veranstaltungen zum Themabereich Verbraucherbildung angeboten und zwischen 3 bis 30 Menschen pro Veranstaltung erreicht. Leider ging die Teilnahme insgesamt seit Ausbruch der Corona-Pandemie deutlich zurück. Zwar haben wir unsere Angebote sehr schnell digital umgestellt, merken aber deutlich, dass die digitalen Vorträge für unsere Hauptzielgruppen im niederschwelligen Angebotsbereich nicht geeignet sind. Es fehlt bei den Teilnehmenden oft an notwendiger Hardware und Knowhow im Umgang mit dem PC. Hier sehen wir ein wichtiges neues Handlungsfeld für die Verbraucherbildung.
AEEB: Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Verbraucherstützpunktes?
Schaub-Vaupel: Uns ist vor allem wichtig, aus dem direkten Kontakt mit unseren Zielgruppen, aktuelle, neue Themen und Formate zu entwickeln, die eine Teilhabe an Gesellschaft und Bildung ermöglichen. Ein Zukunft bestimmendes Schwerpunktthema in der Verbraucherbildung bzw. für uns wird ganz klar der Umgang mit digitalen Medien sein. Hier muss und soll in Zukunft noch mehr geschult werden.

Noch Fragen zum Verbraucherstützpunkt Schweinfurt? –  Dipl. Sozialpädagogin Christiane Fellow von der Diakonie steht Ihnen gerne als Ansprechpartnerin unter fellow@diakonie-schweinfurt.de zur Verfügung.

Weitere Infos zur “Initiative Verbraucherbildung Bayern” finden Sie in unserem Newsletter-Artikel “Verbraucherbildung Bayern – Stützpunkte mit Gütesiegel


Text:
Sabine Löcker
Foto:
Steve Buisinni auf pixabay

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