Regionalisierung und Qualitätsmanagement – was bedeuten diese Prozesse für die Umsetzung von QVB?

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Qualität an sich ist in der Evangelischen Erwachsenenbildung ja längst kein neues Thema mehr – seit Jahrzehnten wird ein breites Bildungsangebot auf inhaltlich und methodisch hohem Niveau durchgeführt. Mit der Einführung von QVB („Qualitätsentwicklung im Verbund von Bildungseinrichtungen“) hat die AEEB 2004 allerdings einen wichtigen und neutralen Qualitätsmaßstab gesetzt, der insbesondere Einrichtungen, die sich in einem Werteverbund zusammengeschlossen haben, viele Vorteile bringt. – Über Herausforderungen, Fragen und den praktischen Nutzen von QVB für die Umsetzung von Regionalisierungen, lesen Sie dazu ein Interview mit AEEB Beraterin Mareike Peter (EBW Freising) sowie der QVB Beauftragten bei BildungEvangelisch Erlangen Annika Hoppe-Seyler.


AEEB: Wo liegen in der Praxis die konkreten Herausforderungen von QVB?

Annika Hoppe-Seyler: Im EBW Erlangen befinden wir uns derzeit im Regionalisierungsprozess mit dem ehemaligen EBW Fränkische Schweiz, welches nun als BildungEvangelisch Fränkische Schweiz zu unserem Bildungswerk dazu gehört. Damit hat sich folglich der Geltungsbereich unseres Qualitätsmanagement-Systems erweitert, was sich nun natürlich auch im QVB-Handbuch entsprechend niederschlagen muss. 

Mareike Peter: QVB in der Stufe A beschreibt die Einrichtung in einer eher statischen Weise. Insbesondere kleine Einrichtungen mit nur einem Standort/ Dekanat können sich so in einem überschaubaren Zeitrahmen zertifizieren, staatlich förderberechtigt bleiben und dennoch ein gutes System zur Hand haben, um ihre Organisation zu reflektieren und strukturell weiterzuentwickeln. Insbesondere aber für große und regionalisierte Bildungseinrichtungen in mehreren Dekanaten und/oder Außenstellen ist die Betrachtungsweise der Einrichtung in Stufe A recht starr.

AEEB: Welche Fragen werden daraufhin aufgeworfen?
Peter: Wie kann QVB für einen Regionalisierungsprozess dennoch nützlich sein? – Die Antwort ist der Perspektivwechsel im QVB: in Kernprozessen denken!

Hoppe-Seyler: Für uns steht natürlich folgende Frage im Vordergrund: Wie führen wir die beiden bisher separaten QM-Systeme aus Erlangen und der Fränkischen Schweiz gut zusammen, so dass sowohl die gemeinsamen Strukturen festgelegt und nachhaltig gestaltet werden, als auch die Besonderheiten der jeweiligen Standorte gewahrt bleibt? Auf Anregung von Frau Peter haben wir beschlossen, im Zuge dieser Zusammenführung eine zunehmende Beschreibung von Prozessen in das Handbuch zu integrieren.

AEEB: Wo sehen Sie auf diesem Weg Probleme oder Risiken? 

Hoppe-Seyler: Nun ja, da wir uns erst am Anfang dieses Weges befinden, kann ich noch nicht wirklich absehen, an welchen Stellen eventuell Probleme auftreten. Ich schätze, dass es zunächst auf jeden Fall einen zeitlichen Mehraufwand und einige Schreibarbeit bedeutet. Dank der Unterstützung durch Frau Peter bin ich aber zuversichtlich, dass wir das alles gut hinbekommen. Und hoffe natürlich, dass wir anschließend von der Strukturiertheit und Praxisnähe der Prozessbeschreibungen profitieren.

AEEB: Ein Vorteil von QVB ist: Einrichtungen in der Erwachsenenbildung können ihre fachlichen Standards und qualitätssichernden Verfahren selbst festlegen – aber besteht darin nun die Mehrarbeit, diese in einer vergrößerten Einrichtung zu prüfen und ggf. anzupassen?

Peter: Gemeinsam unter einem Dach, aber dennoch regional verschieden, Das Denken in Prozessen ist eine Erleichterung. Eine Prozesslandkarte zeigt besser die übergeordneten, zentralen Aufgaben und dadurch auch die Gemeinsamkeiten an mehreren Standorten, die Verknüpfungen zu gemeinsamen Teilbereichen, aber dennoch darf es regionale Verschiedenheiten geben.

AEEB: Viel Arbeit – worin besteht der Nutzen in regionalisierten Einrichtungen und auch bei den Kund*innen?

Peter: QVB (egal in welcher Stufe) hilft Strukturen zu klären, Ziele zu setzen und den Prozess dorthin zu beschreiben. Wie soll in Zukunft gemeinsam gearbeitet werden? Wer kommuniziert im Alltag was an wen? Wer ist für was zuständig? – QVB schafft Klarheit!

AEEB: Welche Chancen sehen Sie speziell für das EBW Erlangen in dieser Prozessorientierung?

Hoppe-Seyler: Ich denke, dass uns die Beschreibung unserer Praxis in Form von Prozessen helfen kann, die Gemeinsamkeiten aller Einrichtungen – be Erlangen und be Fränkische Schweiz – herauszuarbeiten und gleichzeitig können Besonderheiten dargestellt werden. Denn die Ausarbeitung von Prozesslandschaften sieht vor, dass die gemeinsamen Kernprozesse in verschiedenen Unterprozessen flexibel ausgestaltet werden können, so dass das charakteristische Spezifikum bzw. das individuelle Vorgehen der jeweiligen Einzelstandorte bestehen bleibt. Das Ziel ist also, unter dem Dach „BildungEvanglisch“ einerseits mit einem übergreifenden QM-System zu arbeiten und damit die Fusion umzusetzen, andererseits aber auch eine gewisse Individualität zu ermöglichen.

AEEB: Welche Tipps möchten Sie Kolleg*innen mitgeben, die ebenfalls vor der Aufgabe stehen zwei oder gar mehr Qualitätsmanagementsysteme zu einem gültigen zu überführen?
Peter: Qualitätsmanagement gibt Werkzeuge in die Hand, um dies zu tun. Die Regionalisierung ist ein Entwicklungsprozess in der gesamten Einrichtung und geschieht nicht über Nacht. Ich kann mir aber keinen schöneren und spannenderen Auftrag vorstellen, als hinauszugehen und die Einrichtung als einen Lernort für Menschen zu gestalten und zu entwickeln – inhaltlich wie strukturell.

Annika Hoppe-Seyler: Ich bin gespannt, was der QVB-Prozess mit sich bringt und möchte an dieser Stelle empfehlen, sich bei allen Fragen an die AEEB zu wenden. Wir in Erlangen sind zuversichtlich mit der Hilfe von Frau Peter den Prozess gut gestalten zu können.  

AEEB: Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Für eine konkrete Beratung zum Thema QVB steht Ihnen Dipl.-Theologin Mareike Peter gerne als Ansprechpartnerin unter: m.peter@ebw-freising.de  zur Verfügung.

Bei allgemeinen Fragen zu QVB oder für Rückmeldungen wenden Sie sich bitte an die AEEB Landesstelle (landestelle@aaeb.de)

Weitere Infos zum Thema QVB finden Sie auf unserer Homepage unter https://www.aeeb.de/qvb/ sowie im geschützten Mitgliederbereichder AEEB.
Text:
Mareike Peter, Annika Hoppe-Seyler, Vera Lohel, Sabine Löcker
Foto/ Grafik:
Karl Heinz Bührer für AEEB Landesstelle

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